Ich gebe zu, ich kenne die ganze Geschichte um die Werke Wallisellen nicht. Daher kamen bei dem Wechsel zu Cablecom vielleicht alte Sachen hoch, von denen ich nichts weiss.
Die Werke Wallisellen bezogen ihr TV Signal bis jetzt aus Dübendorf. Vor ein paar Jahren trennte man sich von Cablecom. Wir erinnern uns: Damals kostete Digital-TV noch Geld und Cablecom hatte eher suboptimalen Support. Aber Unternehmen können sich ändern. Das Grundangebot ist mittlerweile frei, der Support hat sich verbessert. Perfekt ist es natürlich noch nicht, gerade die Probleme mit Horizon zeigen dies.
Was ist also in Wallisellen passiert? Man hat die Bevölkerung vor vollendete Tatsachen gestellt und das war sicher ein Fehler. Protest regte sich schnell. Primär Rentner, welche wohl glaubten im Erhalt von WDR eine sinnvolle Beschäftigung gefunden zu haben, hauten auf die Pauke. Daraus entwickelte sich was man im Internet einen Shitstorm nennt. Es hagelte Leserbriefe. Diese aber waren oft ziemlich flach. Von Cablecom kommt mir nichts ins aus, die klauen uns Sender und bis zum Rattenpack von Schweinehunden. Substanz fehlte oft und Fakten, wie das analoges TV nun mal ein Auslaufmodell ist, wurden ausgeblendet. Ich bin zwar polemisch, habe aber wohl noch nie jemand als Schweinehund bezeichnet.
Das reichte aber noch nicht. Die Cablecom Gegner schreckten sogar vor Drohungen nicht zurück. Auch Mitarbeiter, die dem Entscheid nichts zu tun hatten, mussten den Frust ausbaden. Das gabs auch in Basel wo vor ein paar Jahren Analog-Abschaltungen zu Morddrohungen geführt haben. Solchen Leuten muss Fernsehen ja wirklich wichtig sein.
Einige Leute werden sicher persönlich Ärger mit Cablecom gehabt haben. Aber wie ist die Chance, dass es heute vielleicht besser ist? Und die Chance ist auch gross, dass man WDR mit dem neuen Gerät wieder sehen kann. Und natürlich war der Wechsel ein bisschen abrupt angekündigt und hatte bei dem neuen Sitz von Cablecom einen Beigeschmack.
Das Problem: Man kann oft kaum konstruktive Diskussionen zum Thema führen. Da heisst es einfach: Ich will den Scheiss nicht. Leute die sachlich argumentieren, dass es jetzt besser um die Cablecom steht, werden niedergebrüllt, was heute mit einem Klick auf den Daumen runter Button geschieht (Kommentare beim Tagi).
Möglich ist es aber natürlich durchaus. Das zeigte man eindrücklich in Aarberg. Dort ging es nicht um die Abschaltung von einem Sender, sondern von allen 40 Sendern und es gab offenbar nur acht Beschwerden. Im Ausland sowieso und dort hat der böse Staat die Röhrenfernseher in Rente geschickt und keiner konnte mitentscheiden.
Wie soll es in Wallisellen jetzt weiter gehen? Vorerst kann man also weiterhin ein grosses analoges Angebot empfangen. Doch wenn man eine schnellere Internet Bandbreite will, muss man handeln. Auch Glattvision kommt also nicht um die Reduktion der Sender. Ich glaube also nicht, dass die Bevölkerung heute gewonnen hat, man hat einfach ein Problem vertragt. Verloren haben klar die für den Wechsel verantwortlichen Personen, welche mit der Holzhammermethode alte Wunden aufgerissen haben.
In meinen Augen ist die Sachen doch eng mit dem Analog/Digital Thema verknüpft. Bekanntlich schauen heute 80% digitales TV, doch werden in meinen Augen die 20% die noch bleibem um so lauter werden.
Mittelfristig glaube ich, dass ein solch kleiner Provider schlicht keine Chance hat. So wird man sich neu orientieren müssen. Der Partner aber könnte dann allenfalls auch Quickline oder GIB heissen. Sind wir gespannt. Hoffen wir, man kommuniziert dann schlauer.