Es ist kaum zu glauben, aber die erste HD Sendung wurde am 2. November 1936 vom Sender Alexandra Palace in London ausgestrahlt. HD war damals natürlich anders definiert, man sendete in 405 Zeilen und natürlich nicht in Farbe. Die Farbe kam dann 1967. Das damalige 405 Zeilen System wurde 1985 abgestellt, das Farbfernsehen, bekannt als PAL, existiert noch heute.
Der Sender Alexandra Palace ist heute nur noch eine kleine Station, London bezieht ihre Signale von Crystal Palace. Doch am 4. April gibt es dort eine grosse Veränderung. Nach über 70 Jahren ist dort (bald) Schluss mit analogem TV und BBC Two wird abgeschaltet. Die restlichen Sender folgen zwei Wochen später. Danach gibt es in London kein analoges Fernsehen mehr. Man wird zum Fortschritt gezwungen.
Ich schreibe diesen Artikel, weil wir in der Schweiz eine fast gegenteilige Entwicklung haben. Es ist geplant dieses Angebot schrittweise abzubauen. So sollen Betreiber wie die Cablecom 2015 Sender wie TV5 oder EuroNews ins digitale Angebot verschieben können. RTL oder SF1 würde man aber noch weiter sehen können. Trotzdem sind sich SP und SVP hier einig: anlog soll bleiben, HD soll weichen.
Doch wie sieht die Situation bei den Briten aus? Wichtig ist, dass man den primären Empfangsweg betrachtet. Bei uns bezieht eine Mehrheit die Programme via Kabelnetz, dort via Antenne. Zur Vereinfachung gehe ich davon aus, dass die Kabelnetze auch verpflichtet werden, das digitale Grundangebot uncodiert (ohne Zusatzkosten zu senden)
Doch in beiden Ländern gilt: Wer einen älteren TV hat, der braucht eine Box. Ich selbst habe ein paar Monate in England gelebt und so weiss ich, die Situation ist ähnlich wie bei uns – die Reaktionen anders. Die Briten haben zwar auf ihrem Haupt-TV schon länger digitales TV. Doch meine Gastfamilie zum Beispiel hatte einen TV in der Küche und dann noch im Schlafzimmer. Dort lief am Morgen immer BBC One, das Frühstücksfernsehen. Trotz Pay-TV Abo, in der Küche reichte ihnen BBC One, sie wollten dort gar kein HD, weil ihnen die Qualität in der Küche reichte. Sky One würden sie eben im Wohnzimmer sehen – und hier erkennt man doch auch Probleme der Schweizer wieder.
Meine Gastfamilie, versorgt vom Whitehawk Hill, musste schon vor ein paar Wochen umrüsten. Entweder kauft man eine Box, oder es gibt am Morgen kein BBC One mehr. Man wurde also genötigt, gezwungen ja gar erpresst – alles Worte der Digital-TV Kritiker – eine Box zu kaufen, dabei wollten sie doch nur BBC One schauen.
Kaum ein Politiker hat sich aber öffentlich gegen diesen Switchover geäussert. Es war für alle klar, dass man sich für die Zukunft rüsten muss, auch wenn es mit einmaligen Kosten verbunden ist.
Doch wieso ist Digital-TV dort so akzeptiert? Ich denke da gibt es mehrere Gründe. Der wichtigste ist ganz klar: Es geht mit einmaligen Kosten. DVB-T, Digital-TV via Antenne, ist dort unverschlüsselt. Bei Dixons gibt es Boxen für 20 Pfund (30 Franken). Das sind absolute Einsteigermodelle aber eben für den Küchen-TV reicht es. Bei uns aber würden neben einer Box, und die Kabelboxen sind eher teurer, noch die Digicard für 99 Franken kommen. Zudem bleibt bei der CI+ nun mal ein Nachgeschmack.
Aber was machen unsere Politiker? Ironischerweise hat eine Gegnerin des Digital-TV sich mit ihrer Organisation gerade für diese sinnlose Verschlüsselung ausgesprochen. So paranoid ich also sein mag, ich weiss schon wieso sie analog TV noch lange erhalten sehen will- und dabei geht es nicht um den Verbraucher.
Natürlich hat auch das Fernsehen bei den Briten einen anderen Stellenwert, aber so extrem sind die Unterschiede auch nicht. Auch dort hört man, dass in der Glotze doch eigentlich nur Müll laufen würde.
Ich denke aber, die Briten sind wohl einfach flexibler und sagen nicht einfach aus Prinzip Nein. Das kann ich natürlich nicht belegen, das ist nur ein Bauchgefühl. Sicherlich sind sie aber ein bisschen rationaler. Während wir viele Geräte, die durchaus noch funktionieren, entsorgen, scheint beim Fernseher dieses Gesetz nicht zu gelten. Da muss die Röhre gleich 30 Jahre halten. Dabei ignoriert man den Fakt, dass man eine Röhre ja auch umrüsten kann – was jetzt grad viele in London machen.
Weiter ist ein Unterschied eben die Politik. Während man sich die beiden Briten geschlossen für den Wandel einsetzt, ist bei uns das Gegenteil der Fall. Die Befürworter von Analog-TV gibt es in allen Parteien. Und wenn sich mal jemand, wie Sommaruga, für Digital-TV einsetzt, fällt ihr am Schluss die eigene Partei in den Rücken.
Doch auch die Aufklärung ist bei den Briten besser. Die Medien informieren gemeinsam über den Wechsel. Auch wenn es bei uns gebessert hat, waren die Medien dort schon lange Pro-Digital. Was aber auch wichtig ist: Die Älteren Leute. Mir ist klar, dass die mit der Technologie ein wenig Mühe haben. Auch sie wollen vielleicht nur die News und Correy sehen. Für diese Leute gibt es Hilfe und man bekommt die Box kostenlos installiert. Auch wenn man gar nicht will, hat man dann ein besseres Bild und mehr Sender.
Hier liegt ja eben der Knackpunkt. Bei uns herrscht die Meinung, man müsse dem Kunden die Wahl lassen. Die Briten sagen: Du hast ab diesem Zeitpunkt kein analog TV mehr und musst für die 20 Röhrengeräte in deinem Haushalt Boxen kaufen. Ich denke, man sollte dem Konsumenten diese Wahl nicht lassen, da die meisten wohl die Zusammenhänge nicht verstehen. Es ist nun mal so, dass die Analog Fraktion (mittelfristig) den digitalen Kunden ihre Dienste verunmöglicht – so sind es die Digital-Kunden die keine Wahl haben.
Nochmals: Der Wechsel darf nicht mit Kosten verbunden sein, oder eben mit geringen Kosten wie 30 Franken pro Gerät. Wer mich jetzt wieder niederschreit, dem möchte ich zum wohl hundertsten Mal sagen: Auch im Ausland gibt es Grossfamilien, alte DVD-Recorder und zufriedene Kunden. Doch niemand würde ernsthaft fordern, am analogen zu hängen.
Die liebe Cablecom hat mit ihrer sinnlosen Grundverschlüsselung viel kaputt gemacht. Ironischerweise wird diese Politik allenfalls dazu führen, dass sie keine neuen Dienste aufschalten kann, da der Platz analog verstopft ist. Die negativen Ansichten waren damals auch sicherlich begründet und man hat Geschirr zerschlagen. Derart viel, dass wir wohl eine Abschaltung des analogen Signals wohl, und das ist optimistisch, wohl erst 2020 realistisch wird.
So frage ich mich: Was wäre wenn, eben Quickline am Drücker gewesen wäre? (Lassen wir die Sache mit 3Sat HD aber jetzt weg, der Post ist jetzt schon viel zu lange)
Ja, da geht eine Ära zu Ende in London. Mit den eingesparten Stromkosten der Megawatt-Brenner am Crystal Palace kann das Königreich seine Staatsfinanzen sanieren… 😉
Ich denke, einer der Gründe könnte auch sein, dass die Briten transparent mit der Kostenfrage umgehen können, während bei uns immer mit diffusen (Kosten-)Ängsten die Meinung manipuliert wird. Alle Fernsehsender liefern den Kabelnetzen die Signale digital zu und muss dort in analoge Signale gewandelt werden. Diese alte Technik kostet in der Wartung immer mehr Geld, während die digitaltechnik – nach dem einmaligen Anschaffungsaufwand – lächerlich günstig ist. Trotzdem herrscht hierzulande die Meinung, Digitalfernsehen müsse zusätzlich kosten. Das mag vor zehn Jahren Gültigkeit gehabt haben, aber der Tipping-Point ist längst erreicht: Das Instandhalten der Analogtechnik müsste längst extra berechnet werden. Aber auf eine derartige Kostentransparenz kann man in der Schweiz noch lange warten.